Qualitätsanalyse - ehemals Schulinspektion:
zwei Bezeichnungen für dieselbe Sache...
Das Inspektorenteam besuchte die Schulkonferenz
2.3.06
Bisher hieß es 'Schulinspektion' - und rief bei manchen Betroffenen, insbesondere LehrerInnen, gewisse Beklemmungen hervor. Die neue NRW-Landesregierung hat nun einen neuen Begriff eingeführt: 'Qualitätsanalyse' - sind jetzt alle Ängste verflogen?
Sicherlich nicht durch diese Sprachglättung. Aber möglicherweise hat der gestrige Besuch der drei für uns zuständigen Inspektoren (oder sollte man jetzt sagen: Qualitätsanalytiker?) dazu beigetragen, dass eine Reihe von Unklarheiten behoben wurde. Michael Dorn, bisher vielen bekannt als Sozialwissenschafts-Fachdezernent, als Leiter der Gruppe, sowie die beiden Dezernenten Brigitte Böttcher und Norbert Schwedt, hatten die Schulkonferenz besucht und den Ablauf der Inspektion erläutert.
Die Schulkonferenz: Hier sitzen jeweils gleich viele Vertreter von Lehrern, Eltern und Schülern - engagierte Leute also, die den Ausführungen der Inspektoren aufmerksam zuhörten und anschließend eine Reihe von Fragen stellten, deren Beantwortung noch mehr Klarheit brachte.
Als wichtigste Erkenntnis blieb hängen: Die Schulinspektion ist tatsächlich besser als Qualitätsanalyse zu begreifen: Der Schule werden wichtige Hinweise gegeben, in welchen Bereichen man gut ist und wo Verbesserungspotential liegt. Das Ergebnis wird eine quantitative Analyse sein, die sich auf die Bereiche
Lehren und lernen
Schulkultur
Führung und Schulmanagement
Personalentwicklung
Qualitätsentwicklung
Ergebnisse der Schule
beziehen wird. Die Inspektoren werden Anfang April 3 Tage lang die Schule besuchen, sie werden nach einem eigenen Plan durch die Klassen gehen, sich im jeweiligen Unterricht 20 Minuten aufhalten, dann weiter ziehen. Achtung: Sie werden nicht lauthals grüßend in die Klassen stürmen, sondern am liebsten ganz leise und unauffällig erscheinen und wieder gehen! Sie werden sich keine Notizen machen, sondern Kreuze in ein Formular eintragen. Diese Daten werden gesammelt und digitalisiert, es werden kumulierte Daten für die Schule erstellt werden, die schließlich in eine Bewertung der einzelnen Bereiche münden. Die Bewertung wird vier Stufen umfassen, deren genaue Formulierungen noch festgelegt werden.
Die Schulleitung, Herr Ripp und Frau von Freeden, haben bereits ein umfangreiches 'Schulportfolio' zusammengestellt: Eine Sammlung von Informationen über die Schule, die den Inspektoren übergeben werden soll. Darin sind solche Aspekte enthalten wie:
Die Diskussion im Anschluss an den Vortrag entzündete sich zum Beispiel an folgenden Fragen:
Sehen die Inspektoren realistischen Unterricht oder spielt man ihnen etwas vor? Antwort: "Nach unseren Erfahrungen merken wir sehr schnell, wenn eine Unterrichtssituation nicht realistisch ist. Im Übrigen: Wenn eine ganze Schule es schafft, drei Tage lang phantastischen Unterricht zu machen, dann wird sie das sicherlich noch länger hinbekommen - wunderbar!"
Wie können die Inspektoren fremdsprachlichen Unterricht, z.B. in Spanisch, beurteilen? "Die Atmosphäre im Unterricht, die Beteiligung und viele Dinge mehr kann man auch erkennen, wenn man die Sprache nicht beherrscht."
Wie kann man in 20 Minuten einen zutreffenden Eindruck bekommen? "Die Gesamtheit ist entscheidend! Wir versuchen, etwa die Hälfte der Lehrerinnen und Lehrer zu besuchen. Wir werden Einstiege, Erarbeitungs- und Kontrollphasen sehen, Gruppenarbeit und Lehrervorträge und vieles mehr. Insgesamt werden wir einen durch viele Einzelbeobachtungen gespeisten Gesamteindruck bekommen."
Bleibt Kritik an den besuchten Lehrern haften? "Nein! Wir notieren den Namen des Lehrers gar nicht. Nirgendwo wird stehen: Herr X/Frau Y hat schlechten Unterricht gemacht! Es geht uns um statistische Durchschnittswerte."
Gibt es ein Feedback für die Lehrer? "Für die einzelnen Lehrer nicht. Aber die Schule erhält einen Bericht, der ihr, der Schulleitung und der Schulkonferenz, erläutert wird."
Ist die Vermischung Inspektoren=Dezernenten nicht problematisch? "Ja, das sehen wir auch so. Deshalb werden diese Funktionen ab dem Sommer strikt getrennt werden. Kein Schulaufsichtsbeamter wird an der Schulinspektion beteiligt sein."
Mein persönlicher Eindruck ist: Nach diesem Abend sehen wir der Qualitätsanalyse gelassen und gespannt entgegen. Wir selbst, viele Kolleginnen und Kollegen, haben einen positiven Eindruck von unserer Schule und hoffen natürlich, dass sich diese Selbsteinschätzung in der Qualitätsanalyse widerspiegeln wird. Wir sind aber selbstkritisch genug zu wissen, dass eine externe Evaluation uns durchaus helfen kann, das Gute noch zu verbessern und Fehler, die es selbstverständlich auch bei uns gibt, zu mindern oder zu beseitigen. Deshalb haben wir uns auch bereiterklärt, freiwillig an der Pilotphase der Qualitätsanalyse, um die es jetzt geht, teilzunehmen.
Bernd Woidtke
Genauere Infos zur Qualitätsanalyse - hier!