Stockholm 2011

1.10.11 

 

Fotos

 

"Sozialwissenschaftler sind super-süß und sexy!" war das Motto der Kursfahrt des Sowi-LK nach Stockholm. Zitiert hatten die Schüler und Schülerinnen meinen Versuch, als SoWi-Lehrer parteipolitisch neutral zu bleiben: "Alle Parteien sind super-süß und sexy!" ist mein üblicher Spruch, wenn ich mal an einer Partei herummäkele.

 

Auch Stockholm stellte sich als super-süß und sexy heraus. Allerdings auch als ziemlich teuer, meinten die Schüler. Das war aber auch der einzige Makel dieser Stadt. Sie präsentierte sich vor allem mit einem prachtvollen Wetter, wie es die Schweden im September kaum kennen: Sonne, 20 Grad - perfekt um die Stadt kennen zu lernen!

 

Der SoWi-LK vor dem Youth Hostel Zinkensdam in Stockholm

 

Bei der Stadt-Erkundung half uns Michael Krobath, ein sympathischer österreichischer Stadtführer, den es schon durch die halbe Welt getrieben hatte, bis er in der Karibik eine blonde Schwedin ("super-süß und ...") kennen gelernt hatte, sie in Stockholm besuchte und blieb - seit mehr als 10 Jahren! Er zeigte uns Gamla Stan, die Altstadt, das königliche Schloss, den Reichstag und - für viele der Höhepunkt - das Stadshuset, das Rathaus von Stockholm. In diesem Bau aus den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts wird alljährlich das Bankett zur Nobelpreisverleihung gefeiert.

 

Bei den verschiedenen Streifzügen durch die Stadt kamen wir unter anderem am Grabmal von Olof Palme vorbei, dem international bekanntesten schwedischen Premierminister. Er war 1986 nach einem Kinobesuch auf offener Straße ermordet worden. Sein Name steht für eine internationale Politik der Neutralität, der kritischen Haltung gegenüber dem US-amerikanischen Vietnamkrieg und dem Einsatz für die Dritte Welt. Gleichzeitig setzt er die Idee des skandinavischen Wohlfahrtsstaates fort. Schweden ist heute eines der reichsten Länder der Welt, das seit 200 Jahren keinen Krieg auf seinem Territorium mehr erleiden musste.

 

Mit Kirsti Pulkka (l.) im schwedischen Reichstag

 

Wie schwedische Politik funktioniert und wo sie gemacht wird, erlebten wir im schwedischen Parlamentsgebäude. Kirsti Pulkka, eine ehemalige Austauschschülerin bei der Familie von Freeden in Deutschland, jetzt Parlamentsangestellte, und ihr Mann Sture, 25 Jahre lang Abgeordneter für die schwedischen Sozialdemokraten, führten uns durch den Reichstag, zeigten uns viele interessante Räume und erklärten uns das schwedische System.

 

Bei einer Schiffsrundfahrt "Unter den Brücken von Stockholm" zeigte sich die ganze Schönheit dieser Stadt: Die faszinierende Architektur, die Lage zwischen Ostsee und Mälarsee, die kleinen Inseln in den Schären, am Wasser gelegene moderne Wohngebiete - nicht zu Unrecht trägt Stockholm den Ruf, eine der schönsten Städte der Welt zu sein!

 

Im weltberühmten Vasa-Museum sieht man ein Schiff. Das hört sich nicht besonders spannend an. Aber: Die Vasa war ein schwedisches Kriegsschiff, das 1628 zur Jungfernfahrt in See stach, ein paar hundert Meter nach dem Stapellauf kam eine Windböe, die Vasa bekam Schlagseite, durch die Kanonenluken drang Wasser ein, das Schiff sank. Viele Seeleute kamen ums Leben. 1961, mehr als 300 Jahre später, gelang es, den Schiffsrumpf zu bergen, zu restaurieren und in einem inzwischen weltberühmten Museum auszustellen. Das Museum zeigt die Menschen an Bord, das schwedische Leben in dieser Zeit, zeigt die Bergungsversuche, die Rekonstruktion des Schiffes. Es ist eines der großartigsten Museen dieser Welt.

 

Was ist bei euch hängen geblieben? fragte ich die SchülerInnen. Teuer, sagten sie. Und: Jungen und Mädchen tragen ganz ähnliche Klamotten, unterscheiden sich nicht so wie bei uns. Und: Die Schweden sind sehr freundlich, wenn man mal von jemandem in der U-Bahn irrtümlich berührt wird, entschuldigen sie sich ganz überschwänglich. Und: Die Frauen haben viel mehr Rechte als bei uns, sind vollkommen gleichberechtigt. Und: Die Schweden haben ein sehr rationales, gut durchdachtes politisches System.

 

Europaschule Kerpen unterwegs. Erfolgreich, glaube ich.

 

Bernd Woidtke