Texas-Austausch

vom 5.4. - 2.5. 2003

 

Dieses Jahr flogen, zusammen mit den Älteren, 7 Schülerinnen und Schüler der Klasse 6.8 mit nach Texas - die Jüngsten in der Geschichte des Texas-Austausches!

 

Ein Bericht von Christiane von Freeden

 

Projektplanung

Unser Austauschprogramm mit Temple High School und Waco High School in Texas besteht seit 1986. Schon lange überlegte ich, ob es nicht möglich sein könnte, gleichzeitig mit dem Besuch der High Schools einen Aufenthalt in Texas für jüngere Schüler/innen der Mittelstufe zu organisieren. Aber nie hatte ich eine passende und willige Schule gefunden.

Doch während des Texas-Austauschs im Jahr 2000 lernten wir eine ganz besondere Grundschule in Waco kennen, Hillcrest Professional Development School. Etwa 300 Kinder besuchen diese Schule, wenn es nach dem Willen der Eltern ginge, wären es viel mehr. So werden jedes Jahr zunächst die Geschwisterkinder aufgenommen, dann wird unter den Bewerbern gelost, und zwar nach dem Schlüssel ein Drittel Afro-Amerikaner, ein Drittel Hispanics und ein Drittel andere. Unter den Bewerbern sind auch viele Kinder mit Behinderungen, da die Schule den Ruf hat, sich dieser Kinder in besonderem Maße anzunehmen. Durch das Losverfahren kommen dann auch entsprechend viele behinderte Kinder an die Schule.

An der Schule läuft ein wissenschaftliches Begleitprogramm der Baylor University in Waco, einer privaten baptistischen Universität mit gutem Ruf. Studenten und Studentinnen der Erziehungswissenschaft durchlaufen an der Schule diverse Praktika, die von den Professoren begleitet werden.

Die Schule beginnt mit einer Kindergartenklasse von Fünfjährigen ( in Texas ist diese Klasse Pflicht) und endet nach dem fünften Schuljahr. Die Lerngruppen sind jahrgangsübergreifend, z. B. Lesen für 2.-4. Schuljahr oder Rechnen für 3.- 5. Schuljahr, je nach Fähigkeiten der Kinder.

Außerdem gibt es an der Schule eine Kooperation mit dem Waco Arts Center, das Museen betreut, Kunstausstellungen organisiert und Kurse abhält. Fast jedes Jahr organisiert und bezahlt das Arts Center den mehrwöchigen Besuch eines Künstlers oder einer Künstlerin, die dann an der Schule mit den Kindern an einem Projekt arbeiten.

Die Schule ist hervorragend ausgestattet. Nicht nur, dass es einen Schulgarten mit verschiedenen Tieren, große Freiflächen, eine schöne Cafeteria, in der täglich 6 verschiedenen Essen angeboten werden, gibt, auch Computer sind in jedem Klassenraum vorhanden, etwa 25 stehen in der Bibliothek, außerdem besitzt die Schule 30 einfache Laptops, an denen die Kinder arbeiten können. Alle Computer wurden der Schule von der Firma Microsoft kostenlos zur Verfügung gestellt. Andere Gelder kamen von der Firma Mars, was zur Folge hat, dass die Klassen Namen von Süßigkeiten haben, Skittles, Mars, Milky Way oder Starburst, sehr merkwürdig für deutsche Ohren.

Nachdem ich diese Schule kennen gelernt hatte, ging mir der Gedanke nicht aus dem Kopf, ob ich es wagen könnte, mit viel jüngeren Schülern als sonst, nämlich mit Kindern der Klasse 6, nach Texas zu reisen. Im Jahr 2001 nahm ich Kontakt mit der Schulleiterin und der Public Relations Managerin auf und versuchte, für 2002 einen ersten Schüleraustausch zu arrangieren. Ich stellte mir einen Austausch vor, der nicht von mir, sondern von einer Kunstlehrerin geleitet würde, so dass ein deutsch-amerikanisches Kunstprojekt dabei entstehen könnte, aber einerseits musste unsere Kunstlehrerin absagen, andererseits bekam die amerikanische Schule im Sommer 2002 eine neue Schulleiterin, deren Vorstellungen man erst abwarten musste, so dass das ganze Projekt bis zum Frühjahr 2003 verschoben werden musste.

Ich hatte im Sommer 2001 eine Klasse 5 als Klassenlehrerin und Englischlehrerin übernommen, und zwar eine bilinguale Klasse mit verstärktem Englischunterricht (9 Wochenstunden). Für diese Klasse kam der Austausch im Frühjahr 2003 gerade recht.

Alle Schüler/innen der Klasse beteiligten sich in den Monaten vor dem Austausch an einem Brieffreundschafts-Projekt mit Kindern der texanischen Schule. Ich wollte, dass möglichst viele Kinder einen Kontakt zu dieser Schule hatten, auch wenn sie selbst nicht reisen würden.

I. Anmeldung

Bereits beim zweiten Elternabend in Klasse 5 stellte ich den Eltern das Projekt vor, viele fanden die Idee zwar interessant, aber viele hatten doch große Bedenken, ihre „kleinen" Kinder für 4 Wochen in die Fremde zu schicken. Es sei doch in diesem Alter noch nicht nötig, die Kinder seien noch zu klein und nie so lange allein von zu Hause weg gewesen, sie würden Heimweh bekommen, ihr Englisch sei noch zu schlecht....aber es gab auch einige mutige Eltern, die sagten: Wenn mein Kind das will, bin ich bereit, diesen Plan zu unterstützen.

Die meisten Kinder waren begeistert. Ganz viele meldeten sich spontan, doch nachdem sie überlegt und mit ihren Eltern geredet hatten, sagten viele, sie wollten das doch erst machen, wenn sie älter seien. Ich versuchte ihnen so realistisch wie möglich klarzumachen, worauf sie sich bei einem vierwöchigen Austausch einlassen würden. Wenn es möglich gewesen wäre, zwei Kinder in einer Gastfamilie unterzubringen, hätten viele den Mut gefunden, aber ganz allein in einer fremden, englischsprechenden Familie zu sein, war vielen doch sehr, sehr unheimlich.

Schließlich und endlich blieben 7 Kinder übrig, 4 Jungen und 3 Mädchen, die auf jeden Fall fahren wollten und deren Eltern der Reise zugestimmt hatten.

Die Suche nach Gastfamilien war schwieriger als ich erwartet hatte, es dauerte lange, bis wir endlich alle Gastfamilien gefunden hatten. Das lag zum Teil daran, dass die amerikanische Lehrerin, eine Kunstlehrerin, noch nie einen Schüleraustausch organisiert hatte, selber auch unsicher war, ob und wie alles klappen würde, und dadurch den amerikanischen Eltern nicht immer alle Bedenken nehmen konnte.

Die Schülerinnen und Schüler nahmen so bald wie möglich per e-mail Kontakt zu ihren Gastfamilien auf.

II. Vorbereitung

Frühzeitig fand ein langer, ausführlicher Elternabend statt, an dem Eltern und Schüler/innen intensiv darüber informiert wurden, was sie in der Schule und in den Gastfamilien wohl erwarten würde.

In einer Arbeitsgemeinschaft versuchen wir jedes Jahr, den Schülern aus Klasse 10 und 11 viele Informationen zu geben, die es ihnen ermöglichen sollen, die vier Wochen des Austausches mit größerem Verständnis für ihre Gastgeber zu erleben. Themen sind: amerikanische und texanische Geschichte; Minderheiten und Rassismus; Bedeutung der Familie; Schulsystem; Kirchen; deutsche Einwanderer in Texas, Vergleich mit sogenannten Wirtschaftsflüchtlingen; Geographisches und Touristisches. Wegen der Unkenntnis vieler Schüler über die heutige politische und wirtschaftliche Situation Deutschlands widmen wir einen Nachmittag nur Informationen zu diesem Thema. In diesem Jahr war es besonders wichtig, das Thema Irak-Krieg und die Haltung Deutschlands zu thematisieren. Die wichtigste Frage war: Wie werden wir auf Kritik der Amerikaner an der Haltung der Deutschen reagieren? Wie können wir unsere Meinung darlegen, ohne unsere Gastgeber vor den Kopf zu stoßen und ohne zu lügen?

Es war klar, dass die jüngeren Schüler/innen nicht in der gleichen Weise auf den Aufenthalt vorbereitet werden konnten. Deshalb machten wir nur 2 gemeinsame Sitzungen, die erste mit allgemeinen Informationen und die letzte mit letzten Reisevorbereitungen. Wir wollten, dass sich die beiden Gruppen kennen lernen würden, um bei den „Großen" auch Partner für die „Kleinen" zu finden. Die übrigen Vorbereitungsnachmittage zu den Themen Familienleben, Essen Kirche, Schule fanden für die jüngeren Schüler/innen separat statt.

Jede/r Teilnehmer/in musste eine Mappe mit Fotos über sich, die Familie und den Wohnort anfertigen. Diese Mappen waren sehr schön und waren ein großer Erfolg bei den Gastfamilien. In den ersten Stunden des Beisammenseins mit der neuen Gastfamilie bieten sie immer eine gute Gesprächsgrundlage und Anknüpfungspunkte für viele Fragen.

 

III. Abreise

Insgesamt fuhren wir dieses Jahr mit 24 Schüler/innen nach Texas: 17 fuhren zu Partnern an Temple High School und 7 fuhren an die Grundschule in Waco.

Das Datum der Abreise war vom Beginn des Irak-Krieges überschattet.

Je näher der Abreisetag kam, desto mehr Sorge bekam ich, ob es richtig gewesen war, so junge Schüler/innen zu dieser Reise zu ermuntern. Diese jedoch hatten nun alle Bedenken vergessen und freuten sich sehr. Die Eltern waren nervös und schwiegen, bis sie auf dem Flughafen ihre Kinder neben den großen Schülern sahen. Da gab es dann doch einige Tränen, bei den Eltern mehr als bei den Kindern, und die bange Frage: War das richtig, dass wir diesem Abenteuer zugestimmt haben? Schließlich war unsere Jüngste erst 10, und der Älteste war 12! Ich strahlte alle an, schluckte alle meine Ängste herunter und behauptete: Das geht bestimmt gut!

Kaum saßen alle Schüler/innen im Flugzeug, war jeder Abschiedsschmerz verflogen, es wurde gelacht, gespielt, geredet.

IV. Aufenthalt

Wir kamen früher als erwartet an einem Samstag Nachmittag in Waco an, wurden vom Bus vor der Schule ausgeladen, und der fuhr mit den älteren Schülern 50 Meilen weiter nach Temple. Nach und nach kamen die Gastfamilien und zogen mit ihren Gastkindern ab – weg waren sie! Am Sonntag sah ich sie bei einem Treffen in der Schule wieder. Sie sollten die Schule schon einmal kennen lernen und konnten die ersten Erlebnisse austauschen.

Edgar, Sebastian, Sophie, Rachel, Nicole, Thomas, Tim: Vor "ihrer" Schule in Waco, Tx

Am Montag kamen sie zum Unterricht. Wir hatten vereinbart, dass ich jeden Morgen von 8 Uhr bis 9 Uhr mit ihnen verbringen würde, um alles Wichtige zu besprechen. Dann gingen sie zum Unterricht mit ihren Partnern. Während der ganzen ersten Woche hatte die amerikanische Lehrerin am Nachmittag ein zweistündiges Kunstprojekt für die deutschen und amerikanischen Schüler organisiert. Das war sehr schön, dass wir am Anfang so viel Zeit mit einander verbringen konnten.

An der Schule begann jeder Tag mit einem kleinen Fernsehprogramm: Zwei Kinder stellten sich vor, begrüßten ihre Mitschüler, kündigten besondere Ereignisse an, gaben einen kleinen Wetterbericht, manchmal hatte auch eine Lehrerin oder die Direktorin eine Ansage zu machen, dann sprachen die Kinder den Pledge of Allegiance, dann folgte das Lied „America the Beautiful". Diese kleine Fernsehsendung wurde in alle Klassenräume übertragen. Natürlich stellten wir uns gleich am ersten Tag hier vor, so dass uns gleich alle kannten und wir auf den Fluren immer von Kindern und Lehrern freundlich begrüßt wurden. Dann hatten wir die Idee, jeden Tag eine kleine Deutschlektion vorzubereiten und diese am nächsten Morgen zu senden. So brachten wir den amerikanischen Kindern sämtliche Wochentage, Zahlen, Farben, Begrüßungen, kleine Sätzchen bei, die wir langsam vorsprachen und die dann die amerikanischen Kinder in ihren Klassenräumen nachsprachen. Meine Schüler/innen erwiesen sich als hervorragende Fremdsprachenlehrer/innen, die aus ihrem eigenen Englischunterricht ganz genau wussten, wie langsam und deutlich man sprechen muss. Das hat allen viel Spaß gemacht. Das Lieblingswort der kleinen Amerikaner war „Mittwoch", weil man das ch am Ende so schön röcheln durfte. Auf dem Gang kam einem immer ein winkendes Kind entgegen, das rief: „Guutan Morgan! Mittwochchchch!"

Keine/r meine/r Schüler/innen hatte besondere Probleme mit der englischen Sprache. Sie kamen im Unterricht klar, wobei sie natürlich nicht alles verstanden, aber sie konnten sich arrangieren. Die Abende und Wochenenden mit den Gastfamilien waren unproblematisch. Eine Journalistin der Waco Tageszeitung kam, um die Kinder zu interviewen, ich stand bereit, um zu übersetzen, wurde jedoch absolut nicht gebraucht. Ein Club „Texas German Association" rief an, um zu fragen, ob ich und meine Schüler/innen bei ihrem Clubabend als „guest speakers" auftreten wollten. Die Frage, ob meine Schüler/innen auch „a little bit of folk dancing" zeigen könnten, musste ich verneinen. Die Kinder fanden die Frage abwegig, wollten jedoch durchaus als „speakers" auftreten. Wir kamen in einen großen Raum, in dem etwa 50 bis 60 ältere Texaner saßen, die irgendwann einmal deutsche Vorfahren gehabt hatten. Mit meinen Schülern hatte ich nur ausgemacht, wer über Kerpen, wer über unsere Schule, wer über unsere Klasse u.ä. erzählen würde, und dann waren sie in der Lage, ohne weitere Vorbereitung auf englisch zu erzählen. Alle Zuhörer waren begeistert, als ich sagte, dass die Kinder gerade erst das zweite Jahr Englisch lernen.

An einem Tag kamen zwei unserer großen Schülerinnen von Temple High School an die Grundschule. Sie hatten einen Vortrag über die Kölner Heinzelmännchen vorbereitet, mit schönen bunten Bildern über den Overheadprojektor. Sie trugen die Geschichte insgesamt 8 mal für verschiedene Klassen vor, und das war für alle sehr schön.

Die "Kleinen" bei den "Großen"

An einem Tag fuhren wir alle an die High School nach Temple, wo wir am Deutschunterricht der amerikanischen High School Students teilnahmen. Die Deutschlehrerin, unsere langjährige, wunderbare Partnerlehrerin, hatte auch einige gemeinsame Sprachspiele vorbereitet.

Zwei Kunstlehrer unseres Gymnasiums hatten mir im Kunstunterricht der Klassen 5 bis 10 entstandene Schülerkunstwerke mitgegeben. Wir veranstalteten eine Kunstausstellung in einem Raum der Schule. Zu der Vernissage wurden alle Eltern und verschiedene Waco „school officials" eingeladen. Diese Vernissage war gleichzeitig eine „good bye-party" für unsere Schüler/innen.

Wir machten einige Ausflüge. Ich hatte einen Van für 8 Personen gemietet, so dass wir uns problemlos alle zusammen fortbewegen konnten. Wir besichtigten Waco, feierten den 11. Geburtstag unserer Jüngsten in einem wunderbaren Hamburger-Restaurant, wo es zum Essen Cola in unbegrenzten Mengen gab. Da ich keine Mutter bin, habe ich das haltlose Cola-Trinken auch immer erlaubt.

Mit den großen Schülern zusammen machten wir eine Exkursion nach Westfalia, Texas, ein kleines Örtchen, das von deutschen Auswanderern gegründet wurde. Bis in die Mitte der 50er Jahre gab es dort noch eine deutsche Schule, deutsche Predigten in einer deutschen Kirche, und es gibt einen Friedhof mit vielen deutschen Namen und Grabinschriften. Man konnte sehen, wie viele Kinder im 19. Jahrhundert ganz früh gestorben waren und wie hart das Leben in Texas um diese Zeit gewesen sein muss. Anschließend fand eine Exkursion mit einem Biologielehrer von Temple High School statt, bei der er den Deutschen in einem Naturschutzgebiet die texanische Flora und Fauna näherbrachte. Da es sich um eine lange Wanderung handelte, hatten die Schüler auch ausreichend Gelegenheit, die texanische Hitze im April kennen zu lernen, um sich eine Vorstellung vom Sommer in Texas machen zu können. Sehr lehrreich, da sie sich ja ansonsten fast nur in klimatisierten Räumen bewegten. Trotz der Anstrengung war es nach Meinung der Schüler/innen ein schöner Ausflug.

Mit unserem 8-Sitzer-Van machten wir auch eine Rundfahrt durch Waco, an einem anderen Tag fuhren wir nach Burnet, das in einem landschaftlich sehr schönen Gebiet liegt, und machten dort eine Bootsfahrt auf dem (texanischen) Colorado River. Wir fuhren nach Salado, wo die Kinder in einem wunderbaren Creek spielen konnten.

Ein letzter Ausflug sollte nach Fort Parker führen, an dessen Beispiel man die Auseinandersetzungen zwischen Siedlern und Indianern im 19. Jahrhundert zeigen kann. Dieser Ausflug ist nicht deshalb bemerkenswert, weil er nicht zustande kam, sondern weil wir an diesem Tag ein wunderbares Beispiel texanischer Gastfreundschaft erleben durften. Kurz nachdem wir losgefahren waren, noch in Waco, leuchtete eine Warnlampe in meinem Van auf, der Öldruck sank an jeder Ampel auf Null. Eine Panne auf einsamer texanischer Landstraße mit 7 Kindern an Bord wollte ich nicht riskieren und steuerte deshalb die nächste Autowerkstatt an. Hier stand eine Schlange angemeldeter Wagen, die alle auf ihre Termine warteten. Flehentlich bat ich einen der Automechaniker, sich unser Auto einmal anzusehen und es möglichst schnell wieder in Ordnung zu bringen, da wir ja mitten in einem Ausflug seien, und er sähe ja, 7 deutsche Kinder......Es dauerte nur eine kleine Weile, dann war unser Auto an der Reihe. Der Fehler wurde behoben, 3 Liter neues Öl wurden eingefüllt, und als ich bezahlen wollte, hieß es: Das kostet nichts, weder die Arbeit, noch das Öl, man habe ja gesehen, in welcher Situation ich gewesen sei. Während wir noch im Warteraum saßen und auf unser Auto warteten, hatte mich eine fremde Frau angesprochen, die auch die Probleme um den Ausflug mitbekommen hatte. Sie sagte, jetzt sei es ja wohl zu spät geworden, den langen Ausflug nach Fort Parker zu machen, sie sei jedoch im Vorstand des Zoos von Waco, und wenn wir wollten, würde sie gerne eine private Führung hinter den Kulissen des Zoos für uns arrangieren. Ich dankte ihr sehr, und wir beschlossen, in den Zoo zu fahren. Viele Schulklassen standen in langer Schlange vor dem Zoo. Als wir an der Kasse ankamen und sagten, wer wir seien, wurden wir kostenlos in den Zoo gelassen, ein junger Mann kam, der sich entschuldigte, dass wir noch eine Dreiviertelstunde alleine durch den Zoo spazieren müssten, denn unsere Führung sei ja nicht eingeplant gewesen und wir würden jetzt dazwischen geschoben. Es wurde eine wunderbare Führung, hinter den Käfigen und Aquarien des Reptilienhauses, wir bekamen alles zu sehen und alles erklärt, was der normale Zoobesucher nie zu sehen bekommt. Wäre einem so viel unkomplizierte Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit in Deutschland begegnet? Ich glaube nicht....

IV. Gemeinsame Reise

Vom 14.-16.4. fuhren wir mit allen Schüler/innen nach Austin und besichtigten dort das Capitol. Dann fuhren wir nach San Antonio, wo wir zwei Nächte in einem Hotel wohnten, und besichtigten dort verschiedene Sehenswürdigkeiten sowie das hervorragende Institute of Texan Cultures, das einen Überblick über die Geschichte der Einwanderer nach Texas gibt und den Einfluss dieser nationalen Gruppen auf Texas darstellt. Wir machten eine gemeinsame Bootsfahrt auf dem San Antonio River und besichtigten die Mission San José. Die älteren Schüler mussten sich mit ihrem Taschengeld selbst verpflegen, mit den jüngeren gingen wir essen. San Antonio ist eine Millionenstadt. In den touristischen Bereichen kann man sich völlig gefahrlos bewegen, aber wir erlaubten nur den großen Schülern alleine herumzugehen, die Jüngeren blieben als Gruppe mit mir zusammen. Das hat aber auch viel Spaß gemacht.

VI. Rückblick

Alle kamen gesund und munter wieder in Deutschland an. Alle wurden von ihren Gastfamilien für das nächste Jahr wieder eingeladen. Eine Schülerin fragte mich, wie oft sie denn am Texas- Austausch teilnehmen könne. Ich sagte ihr, bis Klasse 12, woraufhin sie meinte: „Aha, also 7 mal, das kostet dann insgesamt € 7000. Ich werde mit meinen Eltern sprechen."

Die amerikanische Grundschule möchte das Projekt gerne beibehalten. Allerdings habe ich nun keine Klasse im passenden Alter, so dass wir im nächsten Jahr wahrscheinlich nicht mitmachen können.

Ein Sprachproblem gab es bei den Schülern der Klasse 6 nicht. Gab es ein Heimwehproblem? Eigentlich auch nicht, zum mindesten nicht so, dass es die Kinder merklich belastet hätte. Im Fragebogen nach der Rückkehr schrieb eine Schülerin zum Thema Heimweh: „Ich hatte kein Heimweh. (Nur manchmal.)" Eine andere sagte: „Eigentlich war es schon schwer. Aber man vermisst nicht nur seine Familie, sondern auch seine Haustiere." Ein Junge schrieb: „Nein, denn ich hatte ja eine Familie in den USA." Oder: „Du denkst nicht an Heimweh, weil du viel Neues mit deinen Augen siehst und neue, nette Menschen kennen lernst." Oder: „Meine amerikanische Familie hat mich sehr geliebt. Ich habe meine Familie auch geliebt. Am Ende wollte ich überhaupt nicht zurück."

Abschied von der Hillcrest Professional Development School

Vor dem Abflug hatten wir in der Klasse für jede/n Reisende/n einen schönen „Heimwehgutschein" schreiben lassen. Er war gut „für eine Überraschung zur Verminderung von Heimweh in der Zeit vom 5.4. bis 2.5.", doch niemand hatte ihn bis wenige Tage vor dem Rückflug eingelöst. Was sollte denn nun mit den Heimwehgutscheinen passieren? Sollten sie verfallen, nur weil keiner Heimweh hatte? Das sei doch gemein von mir. Wir sind dann für die Heimwehgutscheine alle zusammen Pizza essen gegangen. Wieder mit ganz viel Cola....

Für mich war der Austausch mit diesen jungen Schüler/innen zwar anstrengend, da ich ja in viel mehr Aktivitäten eingebunden war als mit den Teenagern. Aber mitzuerleben, wie gut sich meine Schüler/innen mit dem Englisch, das ich ihnen beigebracht hatte, zurecht fanden, war ein wunderbares Gefühl!