20 Jahre Texas-Austausch - Das Fest
25.6.05
Schon im Vorfeld des Festes zeigte sich die große Bedeutung des Texas-Austausches: Eine Schülerin aus einem 11er Kurs sagte: Mich nervt Texas - konservativ, heiß, kirchlich und Bush-Country! Vier Vorurteile in einem Satz - das muss man erstmal schaffen.
Alle Reden beim großen Fest zum Anlass des Texas-Austausch-Jubiläums hatten dieses Thema: Der Austausch als Medizin gegen Vorurteile, Klischees und Stereotype. Nach Herrn Ripps freundlicher Begrüßung erzählten Christiane von Freeden, die Initiatorin des Austauschprogramms, und Christian Eisenlohr, Begleiter seit der ersten Stunde, über ihre Eindrücke aus 20 Jahren Austausch. Das Amerika-Bild der Deutschen sei durch unterschiedliche Informationen, aber auch Klischees seit dem 2. Weltkrieg geprägt worden: Sieg über die Nazis, Luftbrücke, Winnetou und Old Shatterhand, Rock 'n Roll, Vietnam-Krieg, die beiden Irak-Kriege - in der Bewertung extrem gegensätzliche Impressionen, die hier über die Vereinigten Staaten existieren. Der Texas-Austausch habe eine großartige Chance eröffnet, diese Klischees an der Wirklichkeit zu überprüfen. Was zeigte sich? Ein Austausch findet nicht mit einem Land, einem Staat, einer Regierung statt, sondern mit Menschen. Mit Individuen, die ihre eigene Meinung, ihr Leben, ihre Vorstellungen, ihre Kultur, ihre Vorlieben und Abneigungen haben. Vorurteile, die ja immer pauschale Urteile über große Menschenmassen sind, brechen so in sich zusammen und weichen einer differenzierten Denkweise. Christiane von Freeden und Christian Eisenlohr wiesen darauf hin, dass der Texas-Austausch, wie alle anderen Austauschprogramme, in diesem Sinne ein Bestandteil der pädagogischen Aufgabe unserer Schule ist.
Carolyn Johnson, die Leiterin des Amerika-Hauses in Köln, verwies darauf, dass es gar nicht so viele Austauschprogramme zwischen amerikanischen und deutschen Schulen gibt, wie man vermutet. Wir sollten also stolz und uns der großen Bedeutung unseres Texas-Austausches bewusst sein. Sie selber hatte als Studentin an einem Japan-Austausch teilgenommen und könne sehr wohl einschätzen, welche Folgen eine solche Erfahrung hat: Ohne diese Zeit wäre sie nicht Leiterin des Amerika-Hauses geworden, das ja die kulturelle Verbindung zwischen den USA und Deutschland zum Ziel hat.
Nella Spurlin, Deutsch-Lehrerin an der Temple-Highschool in Texas, betonte in ihrer launigen Rede, dass durch den Austausch auch Freundschaften fürs Leben geschaffen werden - nicht nur zwischen den Austauschpartnern, sondern zum Teil auch ihren Familien. Auch für die amerikanischen Schüler bleibt die Verbindung zu Deutschland für eine lange Zeit bestehen; ein Schüler zum Beispiel studiert zur Zeit in Köln, vermittelt durch seine Kerpener Gastfamilie.
Die Deutschlehrerin Meagan Tripp, zum ersten Mal beim Austausch dabei, bedankte sich vor allem für die herzliche Aufnahme bei ihrer Gastfamilie, den Staudts.
Auch die texanischen Schülerinnen und Schüler kamen zu Wort und berichteten, wie wohl sie sich fühlen, wie gut ihnen das Essen schmecke (!), und wie sehr sie sich mit ihren Austauschpartner verstehen.
Ein Chor der Jahrgangsstufen 11 und 12 sang texanische Lieder; herausragend dabei die Solistin Daniela Dornhoff. Herausragend nicht nur wegen seiner Körpergröße: Herbert Vietor, der wieder einmal ein passendes musikalisches Programm aus dem Hut zauberte
Die Klasse 8.7 zauberte ebenfalls: Sie verzauberte uns mit dem Theaterstück "On to Texas", das die Geschichte der deutschen Einwanderung in Texas zeigte. In historischen Kostümen und mit selbst verfassten Texten zeigten sie, wie sich der Freiheitswillen der deutschen Einwanderer im Unabhängigkeitskampf der ehemaligen britischen und französischen Kolonien niederschlug. Unterstützt von den ehrenamtlich tätigen Mitgliedern des Geschichtstheatervereins aus Freiburg, gelang es der 8.7, einen Bogen zu spannen bis hin zum kerpener Texas-Austausch: Die Omi ist immer noch voll von Vorurteilen, aber ihre Enkelin, nach vier Wochen Texas voll mit neuen Informationen, erklärt ihr, dass die Wirklichkeit doch etwas anders aussieht.
Die "Beech Birds", ein Square-Dance-Verein mit ihrem Shouter und Sänger Frank Figge, heizten dem Publikum bei sommerlichen Temperaturen kräftig ein: Jetzt ging es nicht nur um eine Vorführung, sondern ums Mitmachen. Einige Dutzend Zuschauerinnen und Zuschauer verloren zwar einige Schweißtropfen, gewannen aber eine wunderbare Erfahrung mit diesem amerikanischen Tanz, bei dem man, sozusagen im Handumdrehen, neue Leute kennen lernen kann.
Nach diesem langen und abwechslungsreichen Programm empfanden alle Beteiligten dasselbe: Hunger! Frau Rath-Pfeiffer hatte sich wie gewohnt flexibel gezeigt und ein Tex-Mex-Buffet in die Mensa gezaubert, das die amerikanische Stimmung auch kulinarisch untermauerte. Der Förderverein bot wohlschmeckende Cocktails an. Wer fehlte da noch? Die Big Band, bei allen wesentlichen Events dabei! Natürlich spielte sie Stücke aus ihrem reichhaltigen Repertoire, vor allem natürlich - leicht zu erraten - amerikanische!
Bernd Woidtke