„Geschichte zum Durchgehen“ – Exkursion zur Burg Vogelsang

27.10.08 

 

Fotos

 

Am 27. Oktober begaben sich die 13er-Geschichtsgrundkurse von Frau Wichmann und Herrn Frieske auf eine wissenschaftliche Exkursion in die Eifel. Ziel war die Burg Vogelsang.

 

Was uns dort erwartete, war jedoch keineswegs eine mittelalterliche Festung, sondern eine Ordensburg, die erst im letzten Jahrhundert von den Nationalsozialisten erbaut worden ist. Zwischen 1936 und 1939 diente die weitläufige Anlage der NSDAP als Ausbildungsstätte für den Nachwuchs ihrer Führungskader. Hier wohnten junge Männer (sog. „Junker“), denen – abgeriegelt von der Außenwelt – die Nazi-Ideologie eingeflößt wurde. Zu den Hauptfächern gehörten „Rassenkunde“ und „Körperliche Ertüchtigung“. So wurde dem Nachwuchs die Ausbildung durch reichhaltige Sportmöglichkeiten und ein vorgegaukeltes Gemeinschaftsgefühl schmackhaft gemacht: Fußball, Schwimmen, Schießen, Motorradfahren, Segelfliegen sowie gemeinsame Abende auf der Stube oder germanische Rituale am Lagerfeuer.

 

Die beiden Geschichtskurs auf Burg Vogelsang; klick auf das Bild, dann wird es groß!

 

Die Burg Vogelsang gilt nach den Parteitagsbauten in Nürnberg als größte bauliche Hinterlassenschaft der Nationalsozialisten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Komplex von britischen, seit 1950 von belgischen Militärstreitkräften genutzt, die unter dem Namen „Camp Vogelsang“ dort eine Kaserne und im umliegenden Gelände einen Truppenübungsplatz einrichteten. 

 

Erst am 1. Januar 2006 wurde die Anlage der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, die nun durch die kompetenten Führungen und das neu eingerichtete Museum ein interessanter Lernort für historisch Interessierte ist. So waren auch wir beeindruckt und erschrocken zugleich von der architektonischen Konzeption der Ausbildungsstätte, die keine Zufälle duldete: Jede Säule, jede Statue, jeder Lichteinfall scheint genau geplant zu sein. So führte uns unser Gang über die Anlage durch die Gemeinschaftshäuser, den „Adlerhof“, die Burgschänke und den „Thingplatz“ vorbei an den Reliefs „Fackelträger“, „Der deutsche Mensch“ und das „Sportlerrelief“. Diese Eindrücke hätten wohl auch mit dem größten didaktischen Aufwand im Klassenzimmer nicht vermittelt werden können, so waren wir alle froh, einmal „Geschichte zum Durchgehen“ gehabt zu haben…

 

Sascha Frieske