Zeitzeichen oder „Alles hat seine Zeit“
30.8.10
Donnerstag – erster Tag der Ferien.
Mit der üblichen kleinen Verspätung geht es am ersten Tag der Ferien in Richtung Süden. Die letzten Tage waren hektisch genug. Das Abitur der eigenen Kinder, Konferenzen, Gottesdienste. Dazu das übliche Chaos beim Packen des Urlaubgepäcks: Überlegen, was mit muss, suchen, verstauen. Absprachen mit den Nachbarn, wer wann und wie die Blumen und den Garten versorgt. Dann, schon spät am Mittwochabend die Gewissheit, dass es am Morgen losgehen kann.
Jetzt also auf der A 61. In einer Mischung aus Schläfrigkeit und Aufregung geht es gen Süden. Die ersten Kilometer noch etwas angespannt: Hat man wirklich alles? Sind auch die Fenster zu? Ist auch der Herd wirklich abgeschaltet? Doch das sonore, tiefe Brummen des Diesels vertreibt mit jedem Kilometer mehr dieses unsichere Gefühl.
Rheinbach – Koblenz – Bingen – Worms. Stetig und unbeirrt frisst der gute alte VW–Bus die Kilometer in sich hinein; schleppt unbeirrt meine Frau und mich und Wohnwagen und Boot in Richtung Kroatien. Mein Blick geht auf die Uhr. „Wie? Erst kurz nach halb 9? Unglaublich wie schnell das geht.“
Ralf Herbertz' Uhr verweigert pünktlich zum Ferienbeginn ihren Dienst!
Gleich wechselt bei Ludwigshafen die A 61 auf die A6 und quert den Rhein. Kurz dahinter beginnt schon Baden–Württemberg. Autobahnkreuz Hockenheim und kurz danach auf der linken Seite das Technik-Museum Sinsheim: Vis à vis davon das Stadion von 99 Hoffenheim.
Mein Blick geht auf die Armbanduhr: Immer noch zeigt sie 8:40 Uhr an. Jetzt dämmert es mir: Stehen geblieben kurz nach der Abfahrt, die Batterien sind leer. Ich denke mir “Was für eine Symbolik! Welch eine Zeichensprache! Fast schon ein Fingerzeig Gottes.“
Ich ziehe die Uhr aus und werfe sie ins Handschuhfach: sechs lange Wochen wird sie dort liegen und mir zeigen, dass ihr Diktat ein Ende hat und ein neuer Rhythmus gilt.
Freizeit – Muße – Leben in den Tag hinein.
Jetzt, mit Beginn des neuen Schuljahres ist sie wieder da. Mit frischen Batterien versorgt zerlegt sie seit Montag wieder den Tag in Blöcke, erzählt von Beginn und Ende eines Schultags und gemahnt an einen biblischen Satz aus dem Buch Prediger: “Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde“: Nichtstun in den Ferien - und Arbeiten in der Schulzeit.
Wie gut, dass die Batterien jetzt wieder geladen sind: Die der Uhr – und die eigenen.
Ralf Herbertz