Eine musikalische Zeitreise 

Musikabend der Grundkurse 12 und 13

 12.6.09

 

Die Fotos

 

Zugegeben: Unter mehr als 2200 Schülerinnen und Schülern eines Gymnasiums ist die Chance groß, musikalische Talente zu finden. Aber: Man muss diese Talente entdecken, man muss sie fördern und vor allem, man muss ihnen die Möglichkeit geben, sich zu präsentieren. Neben dem Musikabend, dem Forum junger Künstler, den Musical-AGs und anderen Gelegenheiten hat sich eine neue musikalische Tradition an der Europaschule entwickelt: Herbert Vietors 12er und 13er Musikkurse zeigten zum zweiten Mal ihre Künste.

 

Wer erwartet hatte, dass in chronologischer Abfolge, von Barock bis Heavy Metal, die musikalische Zeitreise von der Vergangenheit in die Gegenwart führte, sah sich äußerst angenehm überrascht. Es begann mit der Hippie-Hymne "California Dreamin'" und sprang dann respektlos durch alle Genres und Zeiten: Die Spice-Girls wurden gekonnt veralbert, Humperdinck, Brahms, Bartok, Bach schauten vorbei, beim Beatles-Medley (Arr.: Andreas Franzen) konnte jeder mitsingen, bei Chameleon von Herbie Hancock staunte man nicht schlecht über das komplexe Arrangement und die Improvisationskünste der Musiker. Dass man mit kleinen Steinchen erstaunliche Rhythmen erzeugen kann, dass man mit absurdem Sprechgesang einen Saal zum Kochen bringen kann, dass man mit berühmten Filmmusiken (Arr: Johannes Ponge) freudiges Wiedererkennen hervorruft - all das zeigten die beiden Musikkurse auf bezaubernde Weise.

 

Das Finale der Zeitreise; klick drauf, dann wird das Foto groß!

 

Im Zentrum stand eine musikalisch-literarische Persiflage des berühmten Songs "Lili Marleen" von Hans Leib (Text) und Norbert Schultze (Musik). "Lili Marleen" war die Soldatenhymne des Zweiten Weltkriegs. Eine Version der Entstehung dieses Songs besagt, dass Lili die Nichte von Sigmund Freud gewesen sein soll. Das Pikante daran: Die deutschen Soldaten hätten auf diese Weise ein jüdisches Mädchen angehimmelt. Pikant auch die Darstellung der Lili Marleen durch Ulrike Engels: In erotischem Outfit macht sie absolut glaubhaft, warum ihr die Männer reihenweise verfallen, darunter der protestantische Komponist Paul Gerhardt (gespielt von Herbert Vietor), was beim protestantischen Pfarrer Ralf Herbertz im Publikum durchaus auf Verständnis stieß...

 

Dass An Nam Pham nicht nur ein zauberhafter Pianist, sondern auch ein umwerfender Komiker ist, zeigte sein Duett mit Johannes Ponge: Wie man liegend und über dem Kopf vierhändig spielen kann, das dürfte in der Musikgeschichte wohl ziemlich einzigartig sein - diese Spielweise wird uns in den einschlägigen Klavierlehrwerken zu unrecht verheimlicht!

 

Der Abend hatte noch eine Menge anderer Highlights, sie alle zu erwähnen, würde den Rahmen sprengen, hier aber die Namen der Beteiligten:

 

Musikkurs 12: Barbara Becker, Julia Fromme, Marvin Glowania, Patrick Hammer, René Hanke, Dana Harring, Stefan Kilian, Thomas Koep, Armin Korth, Sebastian Kubitza, Sophie Lewkow, Philipp Lötsch, Christoph Muss, Ines Perrar, Sebastian Pohl, Johannes Ponge, Natalia Schlegel, Isabel Schüller, Hagen Schupp, Jan-Patrick Steinke, Patrick Wendler

 

Musikkurs 13: Sascha Dittrich, Ulrike Engels, Dorothee Firmenich, Andreas Franzen, Jessica Gemünd, Lars Kretschmann, Jan Kretschmann, Sebastian May, An Nam Pham, Christina Schaberger, Florian Theil, Milena Weinsheimer, Felix Wenz, Daniel Wolff, Katja Wolff

 

Eine musikalische Zeitreise, deren Ziel-Airport heißt: Lebensfreude durch Musik! Und der Fluglotse, Impresario und Groß-Motivator, das ist Herbert Vietor, dessen herausragende Charaktereigenschaften: ernsthafter Umgang mit der Musik und lustvolles Eintauchen in die Komik, die Schülerinnen und Schüler seiner Kurse mitgerissen haben. Applaus!

 

Bernd Woidtke