„Eine Geige rettete mir wahrscheinlich das Leben!“ – Jüdische Zeitzeuginnen zu Besuch an unserer Schule
27.5.09
„Wir sollten schon abtransportiert werden, als der Polizist eine an der Wand hängende Geige sah und fragte, ob mein Vater auch ein ganz bestimmtes Lied -wahrscheinlich sein Lieblingslied- darauf spielen könne. Mein Vater bejahte und spielte. Das rettete uns das Leben, denn der Polizist ging ohne uns mitzunehmen.“ Dies war eines der Erlebnisse der in Polen aufgewachsenen Zeitzeugin Bronislawa Stepniewska. Wie vor zwei Jahren hatten Schülerinnen und Schüler unserer Schule, die Möglichkeit jüdische Zeitzeugen zu ihren Erlebnissen im Holocaust zu befragen. In diesem Jahr standen vier Damen den aufmerksam zuhörenden Lerngruppen Rede und Antwort. Es war erschreckend und für alle Anwesenden unfassbar, was die Zeitzeuginnen Henriette Kretz, Grazyna Fiszer, Ewa Krcz-Sieczka und Stepniewska Bronislawa über ihre Kindheit und Jugend in verschiedenen Konzentrationslagern, Ghettos oder in Verstecken berichteten. Man hat sie ihrer Kindheit beraubt, war die einhellige Meinung unserer Schüler der Klassen 10 und der Oberstufe, die sich auf den Besuch im Unterricht vorbereitet hatten.

„Ich vegetierte zweieinhalb Jahre in einem 70 cm hohen Vorratskeller unter der Küche der Familie, die uns versteckte, in ständiger Angst vor Entdeckung. Als ich endlich wieder ans Tageslicht durfte, musste man mich herausheben, da ich nicht mehr laufen konnte.“ Was Menschen anderen Menschen antun können, ist manchmal nicht vorstellbar. Umso wichtiger ist es, dass Zeitzeugen, wie diese vier Frauen von ihrem Schicksal berichten, damit man nicht vergisst, was ihnen in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft geschehen ist. Hierfür möchten wir ihnen ganz herzlich danken!
„Fragt uns, wir sind die letzten Zeitzeugen, die berichten können!“ Dieser Aussage einer Zeitzeugin nahmen sich die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10.5 besonders an und haben die Erlebnisse von Frau Krsz-Sieszka und Frau Bronislawa aufgenommen, um diese Berichte im Rahmen eines Radioprojektes in Zusammenarbeit mit dem Studio Eck in Köln zu verarbeiten. Geplant ist eine einstündige Radioproduktion zum Thema Juden in Kerpen und Holocaust. Der genaue Sendetermin bei Radio Erft steht noch nicht fest, wird aber - sobald er bekannt ist - auf der Schulhomepage veröffentlicht.
Klaus Klein, Markus Potes, Christoph Rader