Emotionale Geschichtsstunde

Eine Zeitzeugin berichtet von ihrer Flucht aus Polen zum Ende des 2.Weltkrieges

 Juli 2010

 

Die Spannung ist groß als die Großmutter eines Mitschülers den Raum betritt, denn unser Geschichtskurs bei Frau Bischoff durfte eine Zeitzeugin miterleben, die uns ihre ganz persönliche Geschichte erzählte und uns die Geschehnisse am Ende des zweiten Weltkrieges in Europa näherbrachte.

 

Renate Woelki als berichtet anschaulich über ihre Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg und danach

 

Kaum waren die Bombenangriffe auf die großen Städte des deutschen Reiches abgeklungen, rückten russische Truppen an und vertrieben rund 14 Millionen Deutsche aus ihrer Heimat, den ehemaligen deutschen Gebieten Ostpreußen, Pommern, Brandenburg, und Schlesien.

 

Unter ihnen ist Renate Woelki mit ihrer Familie. Sie lebt zu dieser Zeit auf einem großen Hof zusammen mit einigen Angestellten und ihren Familien. Kaum einer von ihnen ist ausreichend vorbereitet als der Treckbefehl kommt und so machen sich die ca. 30 Familien mit ihren Wagen in eisiger Kälte auf in den Westen. „Diejenigen, die nicht rechtzeitig fliehen konnten, wurden vertrieben.“, berichtete die Zeitzeugin.

 

 

„Es ist ein großer Unterschied zwischen Flüchtlingen und Vertriebenen“, erklärte Frau Bischoff. „Flüchtlinge sind Menschen, die ihren Wohnsitz mit Rücksicht auf Gefahr für ihr Leben und Freiheit verlassen. Vertriebene hingegen werden mit Gewalt oder sonstigen Zwangsmitteln aus ihrer Heimat entfernt!“

 

Nach mehreren Monaten der Flucht erreicht die Gruppe den Hof von Renate Woelkis Verwandten in Pommern. Entgegen aller ihrer Erwartungen können sie dort jedoch nicht lange bleiben, denn der Pommernwall hält nicht und die Stadt wird von der roten Armee der Russen förmlich überrollt. Mit traurigem Blick berichtete die damals 17 Jährige: „In dieser Nacht haben wir alles verloren.“ Aber nicht nur das war traurig, denn Frauen zu dem Zeitpunkt mussten mit der Angst leben von den Russen vergewaltigt zu werden „mein Bruder beschützte mich immer, ich musste über Wochen versteckt leben, damit die Russen mich nicht kriegen“ erzählte sie.

 

 

Trotz großer Schwierigkeiten und keinen Besitztümern mehr gelingt Renate Woelki und einigen anderen später die Flucht nach Westdeutschland. „Ich hatte noch nicht mal mehr ein Geburtsschein als ich geheiratet habe“ erzählte sie am Schluss.

 

Diese Geschichtsstunde hat uns alle sehr beeindruckt, die Offenheit und Ehrlichkeit, mit der die Dame uns von ihren Erlebnissen erzählt hat, hat uns alle sehr berührt. Das, was ihr und vielen anderen zugestoßen ist, ist für uns heute nur schwer vorstellbar.

 

An dieser Stelle möchte sich die Klasse 10.8 noch einmal ganz herzlich für diesen emotionalen Einblick in das Leben der Menschen im und nach den Zweiten Weltkrieg bedanken.

 

Fanzi Michna